Vor 20 Jahren war Putin in Großenhain

Quelle: Sächsische Zeitung 04.08.2007; Text: Kathrin Krüger-Mlaouhia

Während seines Dienstes als KGB-Offizier in Dresden besuchte der heutige russische Präsident öfter die sowjetische Garnison.

Bekannt ist, dass der Präsident Russlands Wladimir Putin von 1985 bis 1990 als Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB in Dresden wirkte. Kaum bekannt ist allerdings, dass er in der Zeit auch hin und wieder bei seinen Landsleuten in der russischen Garnison in Großenhain weilte. So mancher Einheimische hat damals Putins Bekanntschaft gemacht, ohne sich später noch dessen bewusst zu sein. Denn der heute mächtige Staatschef war zu der Zeit ein unscheinbarer und nur unbedeutender Mann Mitte 30.

Doris Hoyer kann sich jedoch noch sehr gut an ihn erinnern. Denn Putin hat sie geküsst – und wie! Es war zum 54. Geburtstages ihres Vaters, des ehemaligen Stasichefs von Großenhain Fritz Beißig. „Mehrere KGB-Leute aus Dresden waren damals in unserer Wohnung am Stadtpark. Natürlich haben alle ordentlich einen getrunken“, erinnert sich Frau Hoyer. In jenem Jahr 1986 war sie 26 Jahre alt. Als alle sich verabschiedeten, hat Putin sie besonders heftig umarmt und links und rechts auf die Wange geküsst, wie das bei den Russen üblich ist. Als Putin dann Präsident wurde, fiel ihr die Szene schlagartig wieder ein.

Am Spitalteich geangelt

Heinz Pönitzsch lernte den nur 1,72 Meter großen Wolodja, wie Putin oft genannt wurde, beim Angeln kennen. „Ich kam zufällig zum Spitalteich, da holten einige Russen Karpfen aus dem Aufzuchtgewässer“, sagt der Großenhainer. Da Putin sehr gut deutsch sprach, kamen beide ins Plaudern. Pönitzsch, zu der Zeit Stellwerksmeister bei der Bahn, merkte deutlich, dass Putin seine Freundschaft suchte. Beide haben auch zusammen Schach gespielt. Im Gasthof Rotes Haus und im Großenhainer Hof, damals noch auf der Radeburger Straße, habe man sich getroffen. „Ich dachte, er sei Pilot“, erinnert sich Heinz Pönitzsch. Dass er es mit einem Geheimdienstler zu tun hat, wusste er nicht. Neugierig sei er von Putin aber immer über Politisches ausgefragt worden. Meist sei Wolodja in Zivil gekommen.

Siegfried Behla ist überzeugt, dass Putin einer der Russen war, die aus Dresden zu seinem Bruder Herbert in die Werkstatt auf der Radeburger Straße kamen. Bei dem Werkzeugmacher wurde gern an Autos gebaut und repariert. Auch der russische Kommandant des Großenhainer Flugplatzes war manchmal hier. Herbert Behla selbst kann sich aber nicht mehr an den heutigen Präsidenten erinnern. Feier im Lehrlingswohnheim

In der Chronik von Ermendorf ist ebenfalls von Wladimir Putin die Rede. Wolfgang Gründel, in den 80er Jahren Leiter des dortigen Lehrlingswohnheims, erinnert sich, dass er den Russen mal bediente. „Es war eine große Feier der Stasi-Bezirksbehörde mit russischen Sicherheitsdienstlern“, so Wolfgang Gründel. Spät abends trat ein Russe an ihn heran – es muss Putin gewesen sein – und verlangte nach einem Blumenstrauß. Jemand habe gleich Geburtstag. Gründel und Putin fuhren daraufhin in eine Gärtnerei im nahe gelegenen Steinbach und klingelten die Leute aus den Betten. Während der Feier hatte die Stasi den Ort abgesperrt.

Kurios ist aber, dass sowohl Pönitzsch als auch Gründel sich erinnern, Putin schon Anfang der 80er Jahre getroffen zu haben. Das würde sich mit Recherchen des Berliner Journalisten Christoph Seils decken, nach denen Putin bereits damals in Deutschland gearbeitet hat.

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